Vom Papageienei zum Papageienküken unter Zuhilfenahme einer Brutmaschine
Erfahrungsbericht aus dem Vogel-und Blumenpark Detmold Heiligenkirchen
Als Papageien-, Sittich und Lorizüchter kann man in Situationen kommen, die einen zu dieser
Methode zwingen, wie zum Beispiel
- ein Partner fällt während der Brutzeit aus
- das Zuchtpaar wird gestört und verlässt die Eier
- die Eier werden nach kurzer Brutdauer von den Papageien gefressen
- das Zuchtpaar wird gestohlen
um nur einige Faktoren zu nennen.
Darum sollte man diese Methode beherrschen, denn es ist ein schöner Erfolg, wenn man ein oder
mehrere Eier erbrüten kann.
Um dieses zu testen kaufte ich mir eine vollelektronische Brutmaschine mit Abkühltimer, aber
ohne Motorwendung , den Typ A35 von der Firma Josef Hemel Brutgeräte. Außerdem einen
Aufzuchtkasten mit Temperatursteuerung und Lüftungsklappen. Für die Luftfeuchtigkeit in beiden
Geräten war auch gesorgt mit einem Behälter für Wasser und einem Hygrometer zur Kontrolle.
Nachdem die Brutmaschine in meiner Wohnung stand, ließ ich sie erst einmal drei Tage laufen,
um mit der Feinregulierung eine Temperatur von 36,9 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von
40 Prozent zu erreichen.
Als die Brutmaschine einreguliert war, legte ich als erstes Rosenköpfcheneier von 4
verschiedenen
Gelegen in die Maschine. Zwei Gelege waren zehn Tage von den Eltern bebrütet worden, die
anderen zwei Gelege noch nicht.
Das machte ich um zu testen, welche Küken besser schlüpfen bzw. um zu sehen, ob Eier, die noch
nicht angebrütet waren, Embryonen entwickeln und schlüpfen.
Ein befruchtetes Ei vom Gelbwangenkakadu oder Kleinen Gelbhaubenkakadu (Cacatua sulphurea),
wie er auch genannt wird, kam noch ungewollt in die Maschine und nun hieß es abwarten.
Die Eier wurden zwei- bis dreimal täglich mit der Hand gewendet und einmal täglich 15 Minuten
gelüftet. Das Lüften ist am Anfang der Brutperiode nicht unbedingt erforderlich, jedoch vor
dem Schlupf unerlässlich, da man es auch bei seinen eigenen Papageien beobachten kann.
Zum Durchleuchten der Eier ließ ich mir von Herrn Hemel einen Kasten bauen, der die
Lichtstrahlen durch verschieden große Öffnungen brachte, um jede Eigröße schieren zu können.
Es war noch zusätzlich ein Ventilator eingebaut worden, um kein Risiko einzugehen, dass die
Eier nicht durch die konzentrierte Hitze des Lichts beschädigt wurden.
Drei Tage bevor nun die ersten Küken schlüpfen sollten, wendete ich die Eier nicht mehr.
Als die Küken anfingen zu picken erhöhte ich die Luftfeuchtigkeit auf 70 bis 80 Prozent
und reduzierte die Temperatur der Brutmaschine
um ein halbes Grad Celsius. Die Eier legte ich in einen separaten Schlupfraum (Gelüftet wurde
aber weiterhin).
Sollte man den Schlupfzeitpunkt einmal verpassen, ist das nicht ganz so schlimm, denn die
Küken schlüpfen trotzdem. Sinnvoll ist es jedoch, sich den Termin der Eieinlage in die
Brutmaschine zu notieren, um nach der Brutdauer der einzelnen Papageienarten den
Schlupftermin festzulegen.
Als nun das erste Ei gegen 18.00 Uhr abgepickt war, lag ich den ganzen Abend vor der
Brutmaschine, um zu beobachten, wie lange es dauert, bis das Küken aus dem Ei schlüpft. Nach
fünfeinhalb Stunden war es dann soweit. Eine Stunde ließ ich es noch in der Brutmaschine und
legte es dann in ein Körbchen (mit Einmaltschentüchern ausgelegt) in den Aufzuchtkasten, der
eine Temperatur von 35 Grad Celsius und ein Luftfeuchtigkeit von 55 bis 60 Prozent
aufwies.
Das zweite Rosenköpfchen schlüpfte nach fünfzehn Stunden, das dritte nach 38 Stunden vom
Picken bis zum Schlupf. Beim vierten Ei, es war dreieinhalb Tage angepickt, machte ich einen
Fehler und zwar glaubte ich, dass es nicht stark genug ist, um sich aus dem Ei zu befreien und
so entlschloß ich mich dem Küken zu helfen. Ich öffnete die Eischale vorsichtig, jedoch
nachdem ich sie offen hatte, fing es sofort an zu bluten. Das bedeutete, dass das Küken noch
nicht soweit war und es starb auch an dieser Aktion.
Resümee aus dieser Beobachtung: Man braucht als nicht ungeduldig zu werden, wenn die Küken
nicht alleine im gleichen Stundenrhytmus schlüpfen. Der Abstand der einzelnen Phasen des
Anpickens betrug ein bis zwei Tage, da ja die Eier auch meistens im Zweitagesrhytmus gelegt
werden, aber auch schon am ersten Tag bebrütet werden.
Kommen angepickte Eier überhaupt nicht zum Schlupf, sind es meistens schwache Küken. Man kann
dem Küken auch helfen, jedoch muß man dann den richtigen Zeitpunkt abpassen, so dass keine
Blutungen mehr entstehen.
Bei der Papageienbrut mittels Brutmaschine ist es sinnvoll, zwei Maschinen zur Verfügung zu
haben (eine als Vorbrüter, die andere als Schlupfbrüter).
In der darauffolgenden Zeit habe ich noch Aras, Amazonen, Graupapageien, Kakadus und
Wellensittiche in der Maschine erbrütet, um einen breiten Querschnitt zu bekommen.
Es ist keine Frage, dass das natürliche Anbrüten sinnvoller ist, jedoch gelang es auch bei
Eiern, die gleich vom ersten Tag an in die Brutmaschine gelegt wurden. Es bereitet keine
Probleme, Papageieneier in der Brutmaschine zu erbrüten, bei Berücksichtigung aller Faktoren.
Es ist ein schöner Erfog, wenn ein gefährdetes Papageienei mit Hilfe einer Brutmaschine
erbrütet werden kann und sich dadurch die Mühen und Investitionen bezahlt gemacht haben.
Außerdem ist es unwahrscheinlich spannend, ein Papageienküken beim Schlupf zu beobachten. Man
sollte jedoch, wenn man diese Methode beherrscht, seine Papageien nicht ausnutzen und auf
Masse Papageienküken produzieren, wie es zum Teil im Ausland der Fall ist.
Autor: F.W. Eckstein