Künstliche Bebrütung von Papageien-Eiern

Autor: Roger G. Sweeney, Christ Church, Barbados


Wenn man beschließt, Eier künstlich zu bebrüten, sollte der Inkubator vorbereitet und lang im Voraus getestet worden sein. Typ oder Markenname des Inkubators sind nicht von Belang, solange das Gerät die drei Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Entwicklung der Embryonen gewährleistet:
  1. Aufrechterhaltung einer konstanten Temperatur.
  2. Korrektes Drehen der Eier während der Inkubationszeit.
  3. Aufrechterhaltung der erforderlichen Luftfeuchtigkeit.
Diese drei Grundvoraussetzungen müssen erfüllt sein, damit die Bebrütung der Eier erfolgreich ist. Alle weiteren technischen Feinheiten des Gerätes, das man kaufen möchte, sind allein abhängig von der Geldmenge, die man investieren will. Der Inkubator sollte leicht auseinander zu bauen und zu reinigen sein, die Oberflächen sollten so beschaffen sein, dass man sie regelmäßig und schnell und einfach desinfizieren kann. Ein Inkubator mit Belüftungssystem und Luftfeuchtigkeitskontrolle ist eine große Hilfe bei der Aufrechterhaltung der idealen Bedingungen für die Ei-Entwicklung. Außerdem ist ein Sichtfenster eine sinnvolle Einrichtung, da es erlaubt, die Eier zu überprüfen, ohne die konstanten Brutbedingungen zu stören.

Die ständige Wärme und Luftfeuchtigkeit im Inkubator können Probleme mit dem übermäßigen Wachstum von Pilzen und Bakterien verursachen. Man sollte daher einmal pro Woche alle Flächen im Gerät mit einer Desinfektionslösung abwischen. Noch wichtiger ist es, das Gerät vollständig zu reinigen, sobald es leer ist, und abermals, bevor neue Eier hineinkommen. Inkubatoren mit einem Wasserreservoir (für die Aufrechterhaltung der Luftfeuchtigkeit) können ein besonders Problem darstellen, da das Wasser ein perfekter Nährboden für Bakterien ist. Der Wasserbehälter sollte regelmäßig gereinigt werden und immer trocken sein, wenn das Gerät nicht benutzt wird.

Auch der Raum, in dem der Inkubator steht, ist für seine Funktion wichtig: Die Stabilität der Umweltbedingungen im Raum haben einen direkten Einfluss auf die gute Funktion des Geräts. Am besten geeignet ist ein ruhiger, selten benutzter Raum. Erstens sind dort die Umweltbedingungen relativ stabil, und zweitens ist die Gefahr einer unbeabsichtigten Veränderung der Geräteeinstellungen durch andere Haushaltsmitglieder gering. Der Raum sollte eine Klimaanlage enthalten, welche die Raumtemperatur auf einem möglichst konstanten Wert zwischen 21° und 24°C hält. In Gegenden mit hoher Luftfeuchtigkeit ist es eventuell nötig, einen Luftentfeuchter anzuschließen, um die Feuchtigkeit im Raum auf ein angemessenes Niveau zu senken. Der Raum sollte außerdem sauber und staubfrei sein und der Inkubator am besten auf einem Tisch stehen, dessen Oberfläche leicht mit einer Desinfektionslösung abzuwischen ist. Wenn man mehrere Inkubatoren hat und viele Eier gleichzeitig künstlich bebrütet werden, bedarf es höherer Hygienestandards. Der Raum sollte dann so ausgestattet sein, dass alle Oberflächen (Boden, Wände, Einrichtungsgegenstände) regelmäßig und leicht zu reinigen und zu desinfizieren sind.


Vorbereitung der Eier

Die Entscheidung darüber, wann der beste Moment zur Entnahme der Eier aus dem Nest ist, hängt davon ab, aus welchem Grund man die künstliche Bebrütung überhaupt in Betracht zieht. Entnimmt man die Eier, weil man die Küken zu handzahmen Vögeln aufziehen möchte und sind die Vogeleltern zuverlässig beim Bebrüten des Geleges, dann empfiehlt es sich, die Eier die ersten 14 Tage - die kritische Phase der Brut - im Nest zu belassen und erst dann in den Inkubator zu überführen. Nach dieser Zeit ist der Embryo meist schon gut entwickelt, und die restliche Inkubationszeit sollte ohne Komplikationen ablaufen.

Liegt der Grund für die künstliche Bebrütung jedoch in der Unzuverlässigkeit der Eltern, sind also zum Beispiel einige Eier im Nistkasten beschädigt worden, sollte man die unbeschädigten Eier so schnell wie möglich herausnehmen. Man muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass das künstliche Bebrüten von Eiern in einem solch frühen Entwicklungsstadium eine sehr sorgfältige Überwachung von Gewicht und Umweltbedingungen erfordert.

Ist das Ei aus dem Nest entnommen, sollte es zunächst genau auf Schäden untersucht werden. Dazu muss es langsam und vorsichtig gedreht werden, um eventuelle Risse oder eingedrückte Stellen entdecken zu können. Das Durchleuchten des Eies kann bei der Identifizierung von Beschädigungen helfen und ermöglicht auch eine ungefähre Einschätzung des Alters und Entwicklungsstadiums des Embryos. Die genaue Untersuchung der Schale ist wichtig, da ein Ei immer auch unabsichtlich von den Eltern beschädigt werden kann, selbst wenn sich diese bei vorangegangenen Bruten als zuverlässig und erfolgreich erwiesen haben. Nervöse Vögel können ihre Eier beschädigen, wenn sie versuchen, bei einer Nestkontrolle fluchtartig die Höhle zu verlassen. Aggressive Elternvögel können die Eier aus versehen beschädigen, wenn sie den Halter bei einer Kontrolle abwehren wollen. Wenn ein Ei nur geringfügig beschädigt ist, kann man versuchen, die Stellen abzudichten, und in vielen Fällen das Küken schlüpfen können. Risse welche die Schalenhaut nicht durchdringen, können normalerweise gut mit Nagellack oder einem wasserfesten Kleber versiegelt werden. Die größten Risiken, die von solchen kleinen Schäden ausgehen, sind die Austrocknung des Eies und das Eindringen von Bakterien. Um dem vorzubeugen, sollten alles kleineren Risse der Schale sorgfältig mit einer Desinfektionslösung gereinigt werden, um einem zu hohem Gewichtsverlust durch Verdunstung vorzubeugen. Darüber, ob man grundsätzlich die Eischale mit Desinfektionsmittel abwaschen soll, bevor man das Ei in den Inkubator legt, wird heftig diskutiert. Für viele erfolgreiche Züchter ist es seit Jahren eine Standardprozedur, aber in den letzten Jahren wurde die Frage aufgeworfen, ob das Reinigen der Eier einen negativen Einfluss auf die Schlupfrate hat. Ich selbst habe regelmäßig eine Reinigungslösung verwendet, wenn ich Eier von verschiedenen Eltern gemeinsam in einen Inkubator gelegt habe, ohne dass ich einen negativen Effekt verzeichnen musste. Mehrere Firmen produzieren Reinigungslösungen für Eier, die von Tierärzten empfohlen werden und für die Embryonen unschädlich sind. Wenn nur ein oder zwei Eier aus dem selben Nest bebrütet werden und sie nicht übermäßig mit Kot verschmutzt sind, kann man beschließen, sie nicht zu reinigen. Wenn jedoch viele Eier von unterschiedlichen Eltern im selben Inkubator untergebracht werden sollen, ist eine vorsichtige Reinigung der Eischalen sinnvoll, um eine mögliche Übertragung von Erregern zu vermeiden. Jede verwendete Desinfektionslösung sollte speziell nur für diese Zwecke hergestellt sein, und man sollte sie immer gemäß den Anweisungen des Herstellers anwenden.

Nach der Untersuchung des Eies und der Feststellung, dass es unbeschädigt und sauber ist, kann es in den Brutapparat gelegt werden.


Bruttemperatur und Wenden der Eier

Der Inkubator muss während der gesamten Brutzeit eine konstante Temperatur aufweisen, möglichst ohne Schwankungen, bis das Ei in einen speziellen Schlupfbrüter überführt wird. Die ideale Temperatur für die Bebrütung von Papageieneiern wird normalerweise mit 37,2 bis 37,6°C angegeben. In den letzten zwanzig Jahren haben viele Vogelzüchter jedoch mit leicht unterschiedlichen Temperaturwerten Erfolge erzielt, solange die einmal gewählte Temperatur konstant blieb. Ich selbst bevorzuge eine Inkubationstemperatur von 37,4°C, mit der ich erfolgreich viele verschiedene Papageienvögel ausbrüten konnte.

Die meisten modernen Inkubatoren, die speziell für das Bebrüten von Vogeleiern entwickelt wurden, sind mit sehr genauen Thermostaten und Thermometern versehen. Ich rate jedem Vogelhalter, den Brutapparat zunächst probehalber für mehrere Tage laufen zu lassen, um das Gerät auf Genauigkeit und Stetigkeit zu testen. Der Thermostat sollte über Tag und Nacht eine konstante Temperatur ohne jegliche Schwankungen halten können. Das Thermometer sollte mit mehreren anderen verglichen werden, um sicherzustellen, dass es genau geeicht ist. Ich rate jedem Besitzer eines neuen Inkubators, das Gerät und seine Funktionsweise möglichst lang vor der Brutsaison so genau wie möglich kennen zu lernen und zu testen. Auch empfehle ich die Installation von mehreren Thermometern innerhalb des Gerätes, um Temperaturgradienten und ihre Veränderungen durch Belüftung und Luftfeuchtigkeit erkennen zu können. All dies sollte getan werden, damit man volles Vertrauen zu dem Gerät und seiner Leistung haben kann, wenn man dann tatsächlich Eier hineinlegt.

Das Ei muss vom Beginn der künstlichen Bebrütung an bis zum Schlupf regelmäßig gewendet werden. Das Drehen verhindert, dass der Embryo an der Eihaut festklebt. Die Wendebewegungen im Inkubator müssen die Aktionen simulieren, die normalerweise der brütende Elternvogel durchführt. Bei natürlicher Bebrütung werden die Eier zufällig in verschiedene Richtungen gewendet, und daher muss auch bei der künstlichen Bebrütung im Inkubator das Ei immer möglichst in Unterschiedliche Richtungen gewendet werden. Wird das Ei kontinuierlich nur in dieselbe Richtung gedreht, wickelt sich die Hagelschnur (Aufhängeband des Eigelbs) auf einer Seite ab und auf der anderen soweit auf, dass sie schließlich reißt, was den Tod des Embryos zur Folge hat.

Die meisten modernen Inkubatoren sind mit automatischen Wendemechanismen ausgestattet, die diese Aufgabe durchführen, ohne dass der Inkubator geöffnet werden muss. Wenn ein Gerät ohne diese Funktion eingesetzt wird, muss man die Eier per Hand drehen. Die beste Vorgehensweise ist, die Eier mindestens fünf Mal pro Tag, besser sieben bis neun Mal in Abständen von zwei Stunden um 180° zu drehen. Wichtig dabei ist, dass immer eine ungerade Anzahl von Wendungen pro Tag ausgeführt wird, damit das Ei in der Nacht auf der jeweils anderen Seite als in der vorhergehenden Nacht zu liegen kommt. Wenn die Eier manuell gedreht werden, muss der Inkubator dafür natürlich geöffnet werden. Dabei sollte man darauf achten, den automatischen Luftfeuchteregler (sofern das Gerät einen besitzt) abzuschalten, bevor man die Maschine öffnet, und erst dann anzuschalten, wenn der Inkubator wieder geschlossen ist und die Temperatur den normalen Wert erreicht hat. Dadurch werden größere Fluktuationen der Luftfeuchtigkeit als Antwort auf die Temperaturschwankungen vermieden.


Luftfeuchtigkeit

Wenn sich der Embryo korrekt entwickeln soll, muss die Atmosphäre im Inkubator eine konstante Luftfeuchtigkeit aufweisen, die je nach Vogelart verschieden sein kann. Die Luftfeuchtigkeit ist wichtig für das Ei, weil aus diesem während der Entwicklung des Embryos stetig Wasser verdunstet. So bildet sich eine Luftblase, die für das Küken direkt vor dem Schlupf essentiell ist. Konventionell wird die Luftfeuchtigkeit mit Hilfe eines Hygrometers gemessen; dies hat sich aber als ziemlich unzureichend erwiesen für die sehr genauen Messungen, die für die künstliche Bebrütung von Eiern notwendig sind. Stattdessen setzten manche Hersteller von Inkubatoren ein wesentlich exakteres Gerät ein: das Psychrometer.

Ein Psychrometer funktioniert prinzipiell wie ein normales Thermometer, nur dass das Ende der Messsäule von Baumwollfasern umgeben ist, die mit einem Wasserreservoir in Verbindung stehen. Die Fasern saugen das Wasser an und dieses verdunstet an der Messsäule, wodurch es zu einer Abkühlung kommt (dies ist derselbe Abkühlungseffekt, den man spürt, wenn man einen Finger befeuchtet und in den Wind hält). Das Psychrometer zeigt also einen niedrigeren Wert an als das normale Thermometer. Die Stärke des Abkühlungseffektes ist abhängig von drei Faktoren: Lufttemperatur, -bewegung und -feuchtigkeit. Innerhalb des Inkubators sollten Temperatur und Luftbewegung immer konstant sein (es sei denn, der Apparat ist geöffnet), so dass der einzige variable Faktor, den einen Einfluss auf das Psychrometer haben kann, die Luftfeuchtigkeit ist. Das Psychrometer ist ein extrem genaues Messinstrument und die zuverlässigste Methode, um die Luftfeuchtigkeit im Inkubator zu überprüfen. Trotzdem muss das Psychrometer ständig kontrolliert werden, zum Beispiel, um zu gewährleisten, dass immer genügend Wasser im Reservoir befindet und dass die Baumwollfasern nicht durch Kalk- oder andere Ablagerungen verschmutzt sind. Das meiste Wasser, das vom Inkubator verbraucht wird, dient Verdunstungszwecken; daher ist es wichtig, immer destilliertes Wasser zu verwenden, damit Probleme durch Ablagerungen aus Leitungswasser vermieden werden.

Vom Zeitpunkt des Legens bis zum Internal Pipping (IP), dem "inneren Schlüpfen", - der Zeitpunkt, zu dem das Küken mit dem Schnabel die Membran zur Luftkammer durchstößt -, verliert ein Ei an Gewicht, bedingt durch Wasserverdunstung. Der Gewichtsverlust wird als Prozentsatz des Originalgewichts angegeben; er liegt normalerweise zwischen 13 und 18 %. Der Wasserverlust wird immer nur bis zum Internal Pipping gemessen, nicht bis zum eigentlichen Schlupf, denn ist die Eihülle erst einmal durchbrochen, wird der Wasserverlust schlagartig sehr hoch und variabel. Wie weiter oben erwähnt, kann die Rate des Wasserverlustes eines Eies durch die Luftfeuchtigkeit im Inkubator beeinflusst werden; eine unangebrachte Luftfeuchtigkeit kann tödlich sein. Bei zu geringer Luftfeuchtigkeit kann der Gewichtsverlust durch Wasserverdunstung zu schnell ablaufen, was zu einer übergroßen Luftkammer und Schrumpfung des restlichen Ei-Inhaltes führt. Aus solchen Eiern entwickeln sich zu kleine und schwache Jungvögel mit brüchigen Knochen und unterentwickelten Nieren, die nicht normal funktionieren. Wenn solche Küken die Inkubationszeit überhaupt überleben, sterben sie meistens während des Schlupfes. Ist die Luftfeuchtigkeit während der Inkubationszeit zu hoch, kann die Wasserverdunstung aus dem Ei eventuell zu gering sein. Dadurch entwickelt sich die Luftkammer nicht ausreichend, und das Ei enthält zuviel Eiklar. Jungvögel aus solchen Eiern sind oft weich und schlaff und müssen wegen des Luftmangels verfrüht schlüpfen.

Die Bedürfnisse der Eier variieren nicht nur von Art zu Art, sondern sind auch für jedes einzelne Ei unterschiedlich. Faktoren, die einen Einfluss auf den Zustand des Eies haben können, sind die Gesundheit der Elternvögel, ihre Ernährung, wie viele Eier zuvor bereits von der Mutter gelegt wurden und ebenso die genetische Kompatibilität der Eltern. Es empfiehlt sich daher, den Prozess des Gewichtsverlustes ab dem Beginn der künstlichen Bebrütung für jedes Ei individuell zu registrieren, vor allem in den ersten vierzehn Tagen. Die Übersicht über die Gewichtsentwicklung kann dem Halter einen Hinweis darauf geben, ob sich das Ei entwickelt und der Jungvogel von alleine erfolgreich schlüpfen wird und ob das Niveau der Luftfeuchtigkeit im Inkubator reguliert werden muss.

Wenn mehrere Eier gleichzeitig bebrütet werden, wird es nicht möglich sein, die Luftfeuchtigkeit im Inkubator aufgrund der Werte eines Eies zu verändern. Die beste Möglichkeit besteht darin, mehrere Inkubatoren mit unterschiedlichen Feuchtigkeitsniveaus gleichzeitig in Betrieb zu nehmen. Normalerweise sollten drei Inkubatoren ausreichen: Ein Gerät lässt man ganz ohne künstliche Luftbefeuchtung laufen, im zweiten sollte das Psychrometer eine Temperatur um 27°C anzeigen, das dritte Gerät sollte die höchst mögliche Luftfeuchtigkeit aufweisen. Die meisten Eier sollten zu Beginn der Inkubationszeit in das zweite Gerät mit mittlerer Luftfeuchte gelegt werden. Zeigt ein Ei einen Gewichtsverlust, der nicht im vorgegebenen Rahmen liegt, kann es entsprechend entweder in den Apparat mit höherer oder niedrigerer Luftfeuchtigkeit verlegt werden. Wenn es zu einem Transfer von Eiern von einem Inkubator in einen anderen kommt, müssen die oben bereits beschriebenen hohen Hygienestandards gewahrt werden. In feuchten Gegenden, in denen die Luftfeuchtigkeit an sich schon hoch ist, kann ein Luftentfeuchter im Inkubatorraum eingesetzt werden, um eine genaue Kontrolle der Verhältnisse in den Geräten zu gewährleisten.

Um den Gewichtsverlust eines Eies messen zu können, müssen tägliche Gewichtskontrollen durchgeführt und die Ergebnisse aufgezeichnet, wenn möglich auch graphisch aufgetragen werden. In diesen Kurven können auch die erwarteten Werte von 13 bis 18 % Gewichtsverlust eingetragen werden, so dass die Entwicklung des Eies im Vergleich zur Norm genau verfolgt werden kann. Es ist wichtig, dass der Zeitabschnitt zwischen den einzelnen Messungen möglichst konstant gehalten wird, das heißt die Messungen sollten jeden Tag zur selben Zeit durchgeführt werden. Wenn der Halter nicht genügend Zeit zur Erstellung einer solchen Kurve für jedes Ei hat, kann deren Entwicklungszustand auch durch eine simple Rechnung überprüft werden. Das Ergebnis dieser Rechnung ist der tägliche Gewichtsverlust des Eies, wenn es zum Zeitpunkt des Schlupfes ein ideales Gewicht haben soll.

Formel zur Berechnung des Eigewichts

IP: Internal Pipping
Anzahl der Tage bis IP: Normale Brutdauer minus zwei Tage (es dauert etwa 48 Stunden vom Zeitpunkt des Internal Pipping bis zum Schlupf)

(Gewicht nach dem Legen x gewünschter Gewichtsverlust (15 %) bis zum IP) : Anzahl der Tage vom Beginn der Inkubation bis zum IP = erwarteter Gewichtsverlust pro Tag



Überwachen der Ei-Entwicklung

Im Allgemeinen wird zur Überwachung der Eientwicklung eines Eies die oben beschriebene Methode der Gewichtskontrolle angewendet. Eine weitere Methode besteht im Durchleuchten des Eies. Bei diesem Vorgang wird eine Lichtquelle direkt an das Ei gehalten, um so sein Inneres zu durchleuchten und einen Eindruck vom Entwicklungsstatus des Embryos zu bekommen.

Wenn Aufzeichnungen gemacht werden, sollten auch bei dieser Methode die Abstände zwischen den Kontrollen möglichst konstant gehalten werden. Jedes Ei kann sich in einer individuell unterschiedlichen Geschwindigkeit entwickeln, aber trotzdem gibt es einen ungefähren Zeitplan, welche Entwicklungsschritte bei einer Brutdauer von 26 Tagen zu welchem Zeitpunkt zu sehen sind:

Tag 5 (nach Ablage): Es sollten deutliche Anzeichen einer Befruchtung sichtbar sein in Form eines kleinen roten Kreises mit einer dünnen Linie in der Mitte des Eies.

Tag 10: Das Wachstum des Embryos sollte durch ein Muster von Blutgefäßen, die normalerweise auf einer Seite des Eies dichter sind, erkennbar sein.

Tag 15: Der Embryo sollte bereits gut gewachsen sein und bis zum spitzen Ende des Eies reichen.

Tag 20: Der Embryo sollte jetzt den gesamten freien Raum im Ei einnehmen. Sehr selten kommt es vor, dass sich der Embryo wenige Tage vor dem Schlupf vom spitzen Ende des Eies wieder ablöst.

Tag 24: Der Zeitpunkt des "inneren Schlüpfens" rückt näher. Wenn das Küken nicht bereits die Membran zur Luftkammer durchbrochen hat, sollte zumindest die Bewegung des Schnabels erkennbar sein, der gegen die Eihaut drückt. Ist sie durchstoßen, sollte das Ei in den Schlupfbrüter überführt und nicht mehr gewendet werden.

Den Tod des Embryos während der Inkubationszeit kann man am Abbau der Blutgefäße erkennen: Die normalerweise sehr scharf begrenzten roten Linien werden verwaschen und unklar.


Der Schlupf

Der spezielle Schlupfbrüter funktioniert im wesentlichen wie ein normaler Inkubator, unterscheidet sich jedoch in drei Punkten:
  1. Das Ei wird nicht mehr gewendet
  2. Die Luftfeuchtigkeit wird immer so hoch wie möglich gehalten, um das Austrocknen der Küken und Festkleben an den Eihäuten während des Schlupfvorganges zu vermeiden.
  3. Die Temperatur leigt mit 36,5°C etwas tiefer als während des Bebrütung. Der Grund dafür ist, dass der schlüpfende Jungvogel voll entwickelt ist und bereits eine eigene Körperwärme produziert, so dass es in der hohen Luftfeuchtigkeit leicht zur Überhitzung kommen könnte, wenn dieselben Temperaturen wie im Hauptinkubator eingestellt sind.
Das Schlüpfen kann ein sehr langer Prozess sein; deshalb ist es von Vorteil, wenn der Inkubator ein Sichtfenster hat, durch welches der Vorgang beobachtet werden kann, ohne dass das Gerät geöffnet werden muss. Die Versuchung, die Eier zu kontrollieren, ist sicher groß, aber zu häufiges Öffnen des Gerätes kann zu dramatischen Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit führen, genau in dem Moment, in dem das Ei möglichst konstante Bedingungen benötigt. Ist der Halter zu besorgt um das Küken, können die ständigen Störungen erst recht zur Dehydratation und damit erheblichen Schwächung des Tieres führen.

Hat das Küken erst einmal die Eischale durchbrochen, verfällt es normalerweise in eine Ruheperiode, bis der restliche Dotter aufgenommen ist und alle verbliebenen externen Blutgefäße abgebaut wurden. Dies kann bis zu 24 Stunden dauern, und erst danach wird der Schlupfprozess fortgeführt. Das Küken beginnt dann mit Drehbewegungen, während derer es mit Hilfe des Eizahns eine ringförmige Linie von kleinen Rissen in die Eischale drückt. Wenn sich dieser Ring in der Schale fast um den gesamten Umfang des Eies ausdehnt, stemmt sich das Küken mit den Füßen gegen die Eischale, wodurch der obere Teil der Schale abgesprengt wird und der Jungvogel herauskommen kann.

Einem Küken beim Schlupf zu helfen, ist eine sehr heikle Sache. Es sollte von niemanden unternommen werden, der keine Erfahrung damit hat, außer, das Küken ist extrem überfällig oder erscheint sehr schwach. Dann sollten kleine Schalenstücke sehr langsam vom Ei gelockert werden, doch beim ersten Anzeichen von Blut muss man wieder aufhören, da dies ein Zeichen dafür ist, dass das Küken noch nicht bereit ist. In besonderen Fällen, wenn das Küken einen extrem langen und schwierigen Schlupf hatte und stark geschwächt scheint, kann ihm etwas Traubenzuckerwasser verabreicht werden. Aber als allgemeine Regel gilt, dass mit dem Füttern erst mehrere Stunden nach dem Schlupf begonnen werden sollte, um sicher zu stellen, dass der Dotterrest im Abdomen (Bauch) vollständig resorbiert ist.


Anschrift des Autors:

Roger G.Sweeney
Graeme Hall Bird Sanctuary
Worthing, Christ Church, Barbados


Quelle: Zeitschrift Papageien 3/2002

Papageien-Infos aus dem Arndt Verlag

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