Kunstbrut bei Kornnattern



Vor der Eiablage

Ob eine Inkubation von Kornnattereiern von Erfolg bestimmt ist, entscheidet sich bereits vor der eigentlichen Eiablage. Das Weibchen trägt die Eier nach der Befruchtung etwa 60 Tage in ihrem Körper. Zwei Wochen vor der Eiablage häutet es sich und stellt die Nahrungsaufnahme ein. Dann beginnt sie im Terrarium umher zu kriechen und einen geeigneten Platz zu suchen. Dieser sollte feucht, warm und dunkel sein. Findet sie einen solchen Platz nicht, verteilt sie die Eier im Terrarium, wo sie sehr schnell vertrocknen oder behält sie im Körper und gerät somit in Legenot.
Folglich sollte der Halter vorsorgen und eine Ablagebox ins Terrarium stellen. Dies kann eine Plastikkiste mit einem Loch im Deckel sein. Diese wird bis kurz unter den Deckel mit feuchtem Vermiculit oder einem Seramis-Humus-Gemisch gefüllt und an einer warmen Stelle platziert. Es kommt vor, dass das Weibchen seine Eier trotzdem an einer anderen Stelle ablegt, dies passiert jedoch meist aufgrund zu niedriger Temparaturen in der Box oder weil sie sich durch Mitbewohner im Terrarium gestört fühlt. Perfekt wäre es, alle anderen Schlangen in dieser Zeit umzusiedeln.



Die Eiablage

Nimmt das Tier die Kiste an, legt es je nach Alter bis zu 30 Eier. Sie haben eine weiße, ledrigere Schale und sind in ihrer Forum sehr unterschiedlich, von kugelrund bis kegelförmig. Meist sind die Eier miteinander verklebt. Stark eingedellte Eier sind oft entweder nicht befruchtet oder zu trocken und werden meist frühzeitig absterben, können aber auch nur normale Deformationen sein, die sich im Laufe der Zeit ausgleichen. Da Kornnattern keine Brutpflege betreiben, müssen die Eier schnellstmöglich entnommen werden. Das Weibchen darf jedoch keinesfalls vorzeitig gestört werden und so braucht es einige Erfahrung, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen. Im Idealfall zieht es sich nach erfolgter Eiablage zurück und macht es dem Halter leicht., es kommt jedoch auch vor, dass sehr erschöpfte Weibchen auf ihrem Gelege verharren und umgesetzt werden müssen.

Bild 1 Bild 2 Bild 3
Ein Kornnatterweibchen
bei der Eiabalge
Die Eier können ganz unterschiedliche
Größen und Formen aufweisen
Die Eierklumpen
nach der Entnahme

Die Bilder-Nr. 1 - 5 wurden uns freundlicherweise von Blue Chameleon Ventures über Sabine Mantow zur Verfügung gestellt




Bild 6
Trotz Ablagebox kann es passieren,
daß die Eier in Blumentöpfen abgelegt werden


Vorbereitung des Inkubators (Eigenbau)

Die Eier werden dann in einen warmgelaufenen Inkubator überführt. Dazu werden die Eier zunächst in einem passenden Behälter platziert. Als Brutsubstrat eignet sich am besten Vermiculit. Viele Halter schwören jedoch auf Seramis oder auch ein Seramis-Humus-Gemisch. Ich Bezug auf Schimmelbildung habe ich damit jedoch schlechte Erfahrungen gemacht. Um einem Pilzbefall vorzubeugen, kann das Substrat auch mit zerbröselten Kohletabletten (aus der Apotheke) vermengt werden. Einzelne Eier werden etwa zu einem Drittel in Vermiculit vergraben eingegraben, Eierklumpen einfach auf das Substrat gelegt. Da das Baby im Ei durch die Hülle atmet, führt das vollständige Vergraben zum Absterben des Fötus. Wenn die Eier entnommen werden, dürfen sie nicht in der Lage verändert werden. Um die Lage der Eier zu vermerken, kann man sie mit einem weichen Bleistift markieren.
Als Inkubator haben sich Kunstglucken der Firma Jäger vielfach bewährt. Diese lohnen sich jedoch für nur für größere Tierbestände mit mehreren Gelegen im Jahr, da sie recht teuer sind. Genauso gut sind selbstgebaute Inkubatoren. Jeder Reptilienhalter hat hier seine eigenen Ideen. Es gibt umgebaute Kühlschränke, alte Aquarien und Terrarien, einfache Plastikboxen, die einfach ins Terrarium gestellt werden und vieles mehr. Grundsätzlich versucht man dabei ein Gefäß zu basteln, in dem man eine Luftfeuchtigkeit von 90% bis 100% und eine Temperatur zwischen 22°C und 27°C erreicht. Während des Wachstums der Embryos benötigen die Eier diese konstante Feuchtigkeit, die sie durch die Luft beziehen, um die Hülle geschmeidig und dehnbar zu halten. Die Eier müssen jedoch immer vor direkter Nässe geschützt sein, es darf also auch kein Wasser auf sie herabtropfen. Außerdem sollte ein geringer Luftaustausch möglich sein. Diese Grundbedingen sind für die Zeitigung von Kornnattereiern unumgänglich. Kurzfristig geringere Temperaturen stellen kein Problem dabei und verlängern lediglich die Brutzeit. Höhere Temperaturen führen jedoch zu schwerwiegenden Schädigungen der Embryos. Ein Tag-/Nachtwechsel der Temperaturen bringt angeblich widerstandsfähigere Jungtiere hervor und kann demnach empfohlen werden. Ich bevorzuge eine gleichbleibende Temperatur von 25°C. Fangen wir nun mit der Luftfeuchtigkeit an. Diese erreicht man mit viel Wasser und einem Aquariumheizer. Am besten eignet sich ein 10-Liter-Aquarium für etwa 10 Euro. Dieses wird zu etwa einem drittel mit Wasser gefüllt und der Aquarienheizer eingelegt. Bei der angegeben Größe des Aquariums reicht die Einstellung auf 24°C. Nun muß die Luftfeuchtigkeit noch gehalten werden. Dazu kann man mit Styroporplatten eine Art Kasten bauen. Je kleiner diese Aussenhülle ist, umso leichter ist es die gewünschte Luftfeuchtigkeit auch zu halten (und natürlich die Wärme). Am besten hat sich das Verschrauben der einzelnen passgenau zugeschnittenen Platten bewährt. Für ein optisch ansprechendes Gesamtkunstwerk eignet sich übrigens ein heißer Draht sehr gut. Nach Belieben kann auch eine schwenkbare Frontklappe oder ein Guckloch eingebaut werden, um den Zustand der Eier zu kontrollieren.
Die Schale mit den Eiern wird im Aquarium platziert. Es ist jedoch darauf zu achten, dass die schlüpfenden Jungtiere nicht ins Wasser fallen können. Für diesen Zweck habe ich einen Rahmen aus Styropor gebaut, der eng an der Wand der Aquariums anliegt und mit Gaze bespannt wird. Man bedenke, dass das Styropor an der Wasseroberfläche schwimmt, wenn der Rahmen zu klein ist. Teurer, aber sicher perfekter wäre ein Alurahmen oder gleich ein passgenaues Lochgitter. Darauf kommen nun die Eier.

Die Konstruktion ist fast fertig. Es fehlt nur noch ein Deckel. Hierbei ist zu beachten, dass kein Schwitzwasser auf die Eier tropfen darf. Somit muß es ablaufen können. Der perfekte Deckel besteht aus zwei Styroporplatten und zwei "Keilen". Die eine Platte ist passgenau mit der Innenkante des Beckens, die andere mit der Aussenkante des Styroporkastens. Die "Keile" sitzen auf einer Seite zwischen den Platten, sodaß die untere schräg aufliegt. Eine aufgeklebte Plastikfolie verstärkt den Effekt.

Diese Idee ist in Anlehnung an die Bauanleitung aus dem Buch Terrarien - Bau und Einrichtung von Henkel und Schmidt, ISBN 3-8001-7349-2 aus der Reihe Datz-Terrarienbücher entstanden. Jede andere Möglichkeit, die die beschriebenen Bedingungen gewährleistet, ist denkbar. Dabei kommt es nicht auf Schönheit an. Die folgenden Beipiele haben beide ihren Zweck erfüllt, obwohl sie sicher keinen Designpreis bekommen würden.



Bei diesen Beispielen
handelt es sich um voll funktionsfähige Inkubatoren, obwohl sie vielleicht etwas behelfsmäßig aussehen

Die Bilder von den Inkubatoren
und Bild Nr. 6 stammen alle von
Sabine Mantow


Die Inkubation

Nun sind die Eier erfolgreich im Inkubator untergebracht und es heißt: warten, warten, warten. Je nach Temperatur dauert die Inkubation zwischen 60 und 100 Tagen. Bei 25°C dürfte es etwa 80 Tage dauern bis die Babies schlüpfen. Er kündigt sich durch Einsinken der Eier und Feuchtigkeit an deren Oberfläche an. Meist auf der Längsseite des Eies wird dann die Eischale vom Baby angeritzt. Dazu hat es auf der Nasenspitze einen winzigen Eizahn, der kurze Zeit später auch schon abfällt. Oft verweilen die Babies noch mehrere Stunden oder sogar Tage in ihrem Ei und ziehen sich auch noch einmal ganz zurück. Irgendwann kriechen sie hinaus und suchen sich erst einmal ein sicheres Versteck. Da der Schlupf der Jungschlangen eines Geleges sehr variieren kann, sollten die Babys in ein eigenes Terrarium gebracht werden. Die verbliebenen Eier sind weiterhin im Inkubator zu belassen und erst aufzugeben, wenn sie sichtlich abgestorben sind. Auf keinen Fall sollte man die Jungtiere beim Schlüpfen stören oder ihnen gar behilflich sein. Dies führt zu großem Stress und es ist möglich, dass so ein Tier die Nahrungsaufnahme verweigert. Aber das ist ein anderes Thema.



Bild 4
Der Schlupf eines Kornnatter-Babies




Fehlerquellen und deren Beseitigung

Es kann viele Gründe haben, wenn es dazu gar nicht erst kommt. Die feuchten Verhältnisse sind ein idealer Nährboden für Schimmel- und Pilzbefall. Befallene Eier müssen vorsichtig aus dem Eierklumpen gelöst werden. Dann kann man nur hoffen, daß nicht bereits alle Eier von den Schimmelsporen angegriffen sind. Auch zu trockene Verhältnisse können die Eier schnell schädigen. Dellen in der Eihaut deuten darauf hin. Das Substrat muß in diesem Fall erneut angefeuchtet oder die Luftfeuchtigkeit überprüft werden.
Bild 5
Ein verfaultes Ei sollte
sofort entfernt werden






Autorin: Sabine Mantow

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