Tagebuch einer Kornnattermama
Die Vorgeschichte
Am 11. Mai 2002 beobachtete ich gegen 20.00 Uhr mein Kornnatterweibchen Zenith. Mir fiel auf,
daß sie sehr dünn war. Hm, dachte ich mir, die hat sich ziemlich kurz hintereinander gehäutet.
Hm, dachte ich mir, sollte ich mal nachschauen?
Tja, ich schaute und sah - erstmal nichts. Ich holte die große Wurzel aus dem Terra, die am
Boden liegt. Darunter steht ein Blumentopf, bzw. ein Glasgefäß, indem eine Pflanze vor sich
hin vegetiert. Die Erde war zwar zerwühlt, aber eigentlich passt zwischen die Wurzeln keine
Schlange mehr rein. Ich tastete ein bißchen mit den Fingern und wurde dabei von dem Weibchen
angegiftet. Dann entfernte ich vorsichtig die Erde und siehe da: Eier!
Dumm nur, daß ich in den letzten Tagen zwar anderen Leuten Tips gegeben hatte, aber selbst
nicht an sowas gedacht hatte. Folglich hatte ich auch keinen Inkubator vorbereitet. Ich suchte
schnell alles mögliche Zeug zusammen, was noch so rumlag - Aquarienheizer, Faunabox, Styropor-
und bastelete schnell einen Inkubator. Eier rein, Deckel zu und warten.
Schlupf
7. Juli:
58 Tage nach Entdecken der Eier ist es endlich soweit. Das erste Baby schaut aus seinem
Ei.
8. Juli:
Nr. 2 und Nr. 3. zeigen ihre Nasen. Am Abend kommt Nr. 1 ganz heraus, nachdem es sich den Tag
über nochmal ganz ins Ei zurückgezogen hatte. Ich setze es in seine neue Behausung, zeige ihm
die Wasserschale, aus der es sich sofort ein paar Schluck genehmigt.
9. Juli:
Am Morgen ist auch Nr. 2 herausgekrochen, aber Nr. 3 ist verschwunden! Ich entdeckte ein
kleines Loch im Inkubator, daraus ist es bestimmt abgehauen. Um es zu erlegen, verteile ich
Klebeband und Wasserschalen im ganzen Raum und suche wie wahnsinnig. Nichts! Am Abend entdecke
ich es friedlich schlummernd in seinem Ei. Es hat mich nur verarscht. Kurze Zeit später
kriecht es aus seinem Ei und wird zu den anderen zweien in sein neues Zuhause gesetzt. Nr. 4
schaut auch schon heraus.
10. Juli:
Die Schlüpferei will gar nicht aufhören. Ich meine, natürlich stellt man sich irgendwie darauf
ein, wenn man merkt, daß die Eier gut aussehen, aber wenn es dann passiert, ist es doch was
anderes. Nr. 4 setze ich am Morgen um.
Kurze Zeit später entdecke ich auch Nr. 5, das unbemerkt aus einem der unteren Eier geschlüpft
ist. Sie leben jetzt in einem Mehrfamilienhaus. Das besteht aus zwei großen Faunaboxen, die
ich unterteilt habe. Jede hat 3 Zimmer und in jedem Zimmer werden zwei bis drei Babies wohnen.
Ich versuche die Babies so einzusetzen, daß ich sie auseinanderhalten kann. Manche haben
asymetrische Kopfzeichnungen, andere haben noch Punkte auf dem Kopf. Mal sehen, ob das mit 17
Babies auch noch so klappt. Die Boxen stehen in einem Terrarium, wo früher mal Rotkehlanolis
gelebt haben. Ich habe es mit einer Kabelheizung ausgestattet und halte die Luftfeuchtigkeit
am Anfang bei ca. 80%. Zwei Babies schauen schon wieder aus dem Ei, sodaß wohl morgen Nr. 6
und 7 einziehen werden.
11. Juli:
Am Morgen sind Nr. 6 und später auch Nr. 7 wie erwartet aus dem Ei gekrochen. Nr. 8 schaut
ebenfalls schon raus. Ich hatte die Eier ja im Klumpen belassen. Bisher sind alle Babies aus
den unteren Eier geschlüpft. Nr. 8 ist das erste aus einem der oberen Eier. Offenbar war es da
etwas kälter, was die Verzögerung erklärt. Interessant ist auch, daß die Eier kurz vor dem
Schlupf eigenartige bläuliche Stellen bekommen. Fast wie Schimmel, nur ohne "Haare". Ich kann
somit voraussagen, wer als nächstes kommt. Lustig.
Am Nachmittag schlüpft dann auch Nr. 8, während Nr. 9 seinen Kopf raus streckt. Später folgen
Nr. 10 und Nr. 11, also werde ich morgen drei heraus nehmen können. Es bleiben 7 Eier übrig. 2
davon deuten sich bereits an. Habt Ihr mit gezählt? Es sind insgesamt 18 statt der zunächst
angenommenen 17. Verzählt! Wahrscheinlich war ein Ei in dem Klumpen ziemlich versteckt.
12. Juli:
Invasion! Vier Babies schauen mich aus ihren Eiern heraus an. Die planen doch was. Ich werde
angegriffen. Arrrrrrgghh.... Hilfe......Arrrghhh!!!
Ich lebe doch noch. Zwei Babies habe ich gegen 18.00 Uhr heraus geholt, eins um 21.00 Uhr. Das
kleine Ding ist irgendwie so in Panik vor der großen Hand und hat doch glatt sich selbst
gebissen. Tz tz tz. Ist aber nicht passiert. 11 sind damit in ihrem neuen Zuhause.
13. Juli:
Heute morgen habe ich das 12. und vorerst letzte Baby umgesetzt. Vielleicht sind die letzten 6
Spätzünder oder nicht befruchtet oder was weiß ich. Mal sehen. Die anderen Babies sind alle
fit. Gestern habe ich sie mal ins Wasser gestubst, damit sie trinken. Daniel vom Lexikon der
kornnattervarianten hatte mir erzählt, daß die Babies manchmal zu doof dazu sind.
14. Juli:
Es war tatsächlich nur ne kleine Pause. Das 13. Baby schaut aus seinem Ei. Nr. 2 häutet sich
gerade. Die anderen haben jetzt alle brav getrunken.
15. Juli:
Heute haben sich bereits drei Babies gehäutet. Eins davon in Fetzen. Ich
habe es vorsichtig gebadet und dann durch meine Finger gleiten lassen bis
die Haut ab war. Ich hoffe, ich habe nichts kaputt gemacht. Die Knochen sind
ja noch sehr weich. Ansonsten sind jetzt bis auf 2 alle geschlüpft oder
schauen raus.
16. Juli:
Es gibt heute nichts neues zu berichten, ausser, daß mal wieder ein Baby
spurlos verschwunden ist. Aber da falle ich nicht mehr drauf rein. Aus dem
Inkubator kann es nicht entkommen sein, also hat es sich vergraben oder so.
17. Juli:
So, heute schaut das 18. und letzte Baby aus dem Ei. Das verschwundene Baby
hatte sich tatsächlich vergraben. 16 Babies sind jetzt in ihrem neuen
Zuhause und häuten sich nach und nach. Bei einigen muß ich leider etwas
nachhelfen. Aber ansonsten bin ich sehr stolz auf meine Schlupfrate von
100%! Jippppiiiieeeee!!!
18. Juli:
Nun sind alle kleinen Nattern im Terrraium. Die meisten haben sich bereits
gehäutet, sodaß ich in einiger zeit mit dem Füttern beginnen kann. Hoffen
wir mal, daß es klappt. Sobald sich was ergibt, geht es hier weiter.
19. Juli:
Mein Erstgeborener hat gefressen. Ich dachte, ich versuch es einfach mal, da
ich schon mehrere Interessenten habe und am 20. August in Urlaub fahre. Bis
dahin sollten sie alle schon mal gefressen haben. Und es hat geklappt. Nach
meinen Erfahrungen aus dem letzten Jahr, wo ich das einzige Baby ein halbes
Jahr lang zwangsfüttern mußte, war das meine größte Sorge. Jetzt bin ich
froh und habe gleich Nr. 2 auch mit einer Maus zusammen eingesperrt. Mal
schauen, ob das auch so schnell geht...
20. Juli:
Nr. 2 hat zwar nicht gefressen, dafür Nr. 3. Jetzt sind mir die Mäuse
ausgegangen (zumindest die ganz kleinen) und ich muß bis Dienstag warten.
Dann geht es auch hier weiter.
23. Juli:
Heute habe ich eine traurige Entdeckung gemacht. Eines der Babies ist tot.
Warum? Keine Ahnung. Plötzlicher Kindstod, gibt es sowas bei Schlangen. Ich
habe die Kleine begraben. Tat mir schon leid. Na ja, da waren es nur noch
17. ?(
Futtertiere habe ich auch besorgt. War gar nicht so leicht, so viele Pinkies
zu bekommen. Ein Baby hat sofort anstandslos gefressen. 4 weitere sitzen zur
Zeit mit einer Maus in einer Kiste. Mal schauen wie die sich so anstellen.
24. Juli:
Gestern habe ich das erste Baby weg gegeben. Es hatte einmal gefressen. Die
neuen Eltern haben schon Erfahrung, deshalb werden sie mit eventuell
auftretenden Fress-Problemen klar kommen. Ich habe natürlich auch Hilfe
zugesagt. Die anderen haben noch nicht gefressen und zeigen kein Interesse.
Ist vielleicht zu früh. Ich versuche es die Tage nochmal.
25. Juli:
Heute habe ich Nachricht von den neuen Eltern meiner kleinen Korni bekommen.
Sie möchten gerne eine zweite dazu haben. Na ja, die Auswahl ist bei mir
nicht so groß, da ja nicht so viele da sind, die schon gefressen haben.
Deshalb werde ich sie aussuchen und hinfahren. Bei der Gelegenheit kann ich
dann gleich sehen, wie die Kleine jetzt wohnt und lerne die neuen Eltern
besser kennen. Ist doch nett, weil sie ganz in der Nähe wohnen. Durch dieses
Forum konnte ich zwei weitere vermitteln. Ich freu mich schon auf das
Kennenlernen, wenn damit auch verbunden ist, daß ich zwei weitere Babies weg
geben muß. Dann bleiben noch 11 und ich hoffe sehr, daß sie fressen. Das ist
im Moment meine größte Sorge.
26. Juli:
Jippiieee, es hat wieder eins gefressen! Ich habe gestern abend ein Pinkie
zu den Babies gelegt. Natürlich habe ich aufgepasst, daß nichts passiert.
Als dann das Licht ausging, hat tatsächlich ein Baby gefressen. Ich hatte
sonst immer eine Korni aus dem Terra genommen und zum Fressen einzeln in
eine Faunabox gelassen. Durch die fremde Umgebung waren die wahrscheinlich
so verunsichert, daß sie einfach nicht fressen wollten. Heute abend werde
ich das Experiment wiederholen, dumm ist nur, daß man dann die ganze zeit
aufpassen muß, daß sich nicht zwei (oder mehr) Kornis auf ein Pinkie
stürzen. Aber was tut man nicht alles...
Autorin: Sabine Mantow